Stadt Kempten Kempten erleben Kultur & Unterhaltung Ausstellungen 69. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche Isolde Egger

Isolde Egger
Thomas-Dachser-Gedenkpreis

„Der Fall des Bauern“
2-fach gebrannter Ton mit Glanzglasur glasiert
40 x 40 x 42, 2017

Begründung durch die Jury
 

Die Künstlerin Isolde Egger gestaltet mit traditioneller Technik einen eigenen vielschichtigen und erzählerischen Bildkosmos mit vielen Bezügen zu aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen. Durch die vielseitige Motivik und Kombination unterschiedlicher Bildelemente werden die Betrachterinnen und Betrachter eingeladen, die Bedeutung des Werks von allen Seiten zu entschlüsseln. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass in dem Werk Zeugnisse des Alltags, vor allem der Popkultur, mit traditionsreichen Vanitassymbolen kombiniert werden.

Die Künstlerin hat den Mut zur Einfarbigkeit und schafft so ein skurriles Stillleben, eine unterhaltsame Kombination von Humor und Ernsthaftigkeit, das zum Nachdenken über die eigene Existenz anregt.


Isolde Egger über ihre Arbeit
 

Nachdenklich sitzt er nackte alte Bauer vor seinem genmutierten Kohlrabi. Neben dem schmutzschleudernden Coca-Cola-Turm liegt ein Fastfood-Hamburger. Der Kopf der Freiheitsstatue rollt die Treppe herunter. Ein Menschlein mit Herz versucht die Welt zu retten. Ignoranz und Protzfrisur krönen den Doppelkopf. Der alte Zopf ist ab. Die Bauern-Schachfigur ist auf den Schweinskopf gefallen.

Eine zeitkritische Keramik die aber auch zum Schmunzeln einlädt. Sie kann einen politischen Kommentar abgeben, Abstraktes darstellen, sexuelle Beifügungen haben, rätselhaft oder humorvoll sein, Surrealistisches zeigen oder auch Begebenheiten aus meinem privaten Umfeld. Die tägliche Nachrichtenschwemme in den Medien ist als Stellungnahme in einer Ansammlung von Symbolen und Figuren zusammengetragen. Dem Beobachter werden eine Anhäufung von Fundstücken gegenwärtiger Themen gezeigt. Banales, alltägliches wechselt mit unangenehmem, bedrohlichem. Triviales wird plötzlich wichtig, erzählt eine eigene Geschichte. Auf allen vier Seiten des Werkes ergibt sich ein neuer Einblick in eine Theaterszene. Eine Tragödie oder Komödie? Hat der Bauer sein letztes Hemd verloren weil er jetzt auf Bio umstellt? Der Totenschädel signalisiert Gefahr, Tod und Warnung, wovor? In Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen und politischer Wirrnissen  heißt es erst mal cool bleiben und sich ein leckeres Eis gönnen.

Die Wahl der einzigen Farbe – Hochglanz schweinchenrosa – ist für die Gesamtkomposition wichtig, es ergibt eine Konzentration auf das Formale, Figurative. Das rosa wiegt einen in Wohlfühlstimmung, legt sich guttuend aufs Gemüt, bringt Kindheitserinnerungen hervor. Unangenehmes wird durch die rosa Glasur als akzeptabel empfunden. Hässliches wird plötzlich interessant. Das Böse erhält einen Zuckerguss.

Das Objekt ist aus Paperclay, einem speziellen Ton hergestellt. Paperclay wird auch Faserton oder Zelluloseton genannt. Es ist eine Mischung aus Ton, Papierfaserbrei und Wasser und hat außergewöhnliche Eigenschaften. Durch den mikrofeinen Faserzusatz ergibt sich beim Paperclay eine hohe Trockenfestigkeit und erhöhten Bruchwiderstand.


Über die Künstlerin
 

1943 geboren in Schwäbisch Gmünd
1999 – 2006
 
Teilnahme am Kunstsommer Irsee, Malerei bei Helmut Middendorf und Kunstakademie Bad Reichenhall
2000 Figurative Malerei und Akt bei Joan Semmel, New York, Sommerakademie Salzburg
2002/03 Malerei bei Prof. M. Lüpertz, Kunstakademie Bad Reichenhall
2008 Meisterklasse Prof. Hubert Schmalix, Los Angeles, Akademie Bad Reichenhall
seit 2005 Skulptur in Ton bei Jutta Hass, Akademie Bad Reichenhall
2007 – 2018 Malerei bei Endy Hupperich, Mexiko, Kunstakademie Bad Reichenhall
2017/18 Meisterschülerin bei Martin Praska, Malerei, Kunstakademie Bad Reichenhall
Seit 1972 freischaffende Innengestalterin in Bad Wörishofen
1992 – 2016 Gründerin u. künstlerische Leiterin der Skulpturenschau „Kunstfrühling“ in Bad Wörishofen
Seit 1995
 
Drehbücher, Regie und Bühnenbild der Theatergruppe Frankenhofen, „Mord im Maisfeld“, „Ein Mann für alle Fälle“, „Die Kanal­ratte“, „So eine Sauerei“, etc.
2003

Entwurf Schmuckkollektion „Eastern dreams“ 


Einzelausstellungen (Auswahl):

Deutsches Herzzentrum München, 5-Höfe München, Ottobeuren, Mindelheim,

Bad Wörishofen, Landsberg am Lech

 

Gruppenausstellungen (Auswahl):

2018 „Blickfang“ Kunsthaus Kaufbeuren, 2017 Galerie Noah im Glaspalast Augsburg, 2016/17 67./68. „Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche“, Kempten, 2016/17 „68./69.  Große Schwäbische“ im Schätzlerpalais, Augsburg, Städt. Galerie Rosenheim, KV Ebersberg, KV Traunstein, KV Tölzer Land, Villa Kobe Halle a.d.Saale, Schloß Dachau, Galerie Helmut Leger München, 36./39. Ostallgäuer Marktoberdorf ,Galerie Malzhaus Plauen, Galerie Neubeuern, Stadtmuseum Tübingen, BBK Niederbayern Kloster Asbach, Berchtoldvilla Salzburg, Schwäbische Grafik Senden, Künstlergilde Ulm, "Große Nordschwäbische" Donauwörth, Galerie P. Zewe Bad Tölz, Skulpturenpark Schloß Garatshausen,  Burg Salzburg, Debitelkreativpreis Stuttgart, Lyrikpark Hildesheim, , KV Bad Wörishofen, KV Mindelheim, Nominierung Kitzartaward 2018,Piove di Sacco Italien, Schwaz  Österreich, Cavaion Italien

 

Öffentliche Ankäufe (Auswahl):

Stadt Bad Wörishofen, Hl. Geistkapelle Bad Wörishofen, Landratsamt Dachau, Landratsamt Unterallgäu, Stadt Schwaz Tirol (Österreich)

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Informationen kompakt:

Ausstellungsdauer:

11. August bis 30. September

Öffnungszeiten:

11.08.-19.08.2018 (während der Allgäuer Festwoche), täglich, 10-18 Uhr

21.08. bis 30.09.2018, Dienstag bis Sonntag, 10-16 Uhr

Postanschrift:

Großer Sonderausstellungsraum im Marstall (Alpin-Museum)

Landwehrstraße 4

87439 Kempten (Allgäu)

Tel. Museum: +49 831 2525-740

Eintritt frei!

Weitere Informationen erhalten Sie von:
Sonja John
+49831 2525-391
Sonja.John@kempten.de