Stadt Kempten Leben in Kempten Integration Interkulturelle Woche 2020 Interview mit den Migrationsberatungsstellen

Interview mit den Migrationsberatungsstellen in Kempten

Zugewanderte Menschen können sich mit Fragen und Problemen an die Migrationsberatungen in Kempten wenden. Die Migrationsberatungsstellen unterstützen Migrantinnen und Migranten bei ihren ersten Schritten in Deutschland. Stellvertretend für die Kemptener Migrationsberatungsstellen haben die Migrationsberatungen der Caritas und der Diakonie für den Erwachsenenbereich und der Jugendmigrationsdienst für den Jugendbereich geantwortet.

Eine Übersicht zu den Migrationsberatungsstellen finden Sie >>hier

Mit welchen Anliegen und Themen kommen die Menschen schwerpunktmäßig in Ihre Beratung?

 

Caritas:  Die Themen unserer Migrationsberatungsstelle gehen weit über die Vermittlung von Hilfen hinaus. Alles wird angefragt, was auch wir wissen müssen, um den Alltag bestehen zu können. Zu den meisten Fragen gehören die Existenzsicherung, die Arbeitssuche, Ausländer- und aussiedlerspezifische Fragen, berufliche Anerkennung und dann die auch vielen Deutschen nicht unbekannte Suche nach einer bezahlbaren Wohnung.

 

JMD: Die Jugendlichen suchen den JMD mit vielerlei Themen auf: Zum einen möchten sie wissen, wo sie die Sprache lernen können, was sie mit ihren im Herkunftsland erreichten Schulabschlüssen in Deutschland machen können, wie sie einen deutschen Schulabschluss erreichen oder wie sie eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz finden können. Zum anderen haben sie häufig Fragen zum Schriftverkehr mit Behörden und benötigen Hilfe bei der Antragstellung zum Beispiel von Arbeitslosengeld 2, Wohngeld, Bafög, Kindergeld, Elterngeld und vielem mehr. Themen sind auch die Unterstützung bei finanziellen Problemen oder bei der Wohnungssuche. 

 

Diakonie: Wohnungssuche, Jobsuche und Bewerbung, Familienzusammenführung, Sprachkurse, Finanzen, Behördenangelegenheiten, Anträge

 

Welche wichtigen Eigenschaften und Fähigkeiten braucht man, um die Tätigkeit in der Migrationsberatung ausüben zu können?

 

Caritas: Die Arbeit in der Migrationsberatung ist sehr vielschichtig und setzt Fachwissen, wie z. B. rechtliche Grundlagen im Ausländer- und Sozialrecht, in der Dokumentation und in den Theorien der Sozialen Arbeit voraus. Auch die Beratungskompetenz ist wichtig und wir beherrschen unterschiedliche Gesprächsführungsmodelle und Methoden um adäquat unterstützen zu können. Außerdem haben wir individuelle Fähigkeiten, die eine hohe soziale Kompetenz voraussetzen. So können wir unsere Klienten*innen professionell und gut unterstützen. Die Offenheit für verschiedene Kulturkreise ist sehr wichtig in unserer Tätigkeit. In unserem komplexen Aufgabengebiet schlüpfen wir in unterschiedliche Rollen. Wir unterstützen die Menschen z.B. als “Vermittler*innen“ und Kooperationspartner*innen oder als „Gesprächspartner*innen“ um komplexe Sachverhalte zu klären. Wir unterstützen auch, wenn nötig, in anderen Sprachen. Non verbale Kommunikation, kulturspezifische Gesten und auch die Fähigkeit in leichter Sprache zu kommunizieren, wenn das Deutsch noch nicht so gut ist, ist sehr wichtig. Unter anderen sehen wir uns auch als  Netzwerker*in, „Coach“ und „Troubleshooter“, da wir oft mit unseren Klienten*innen schnelle Lösungen für verschiedene Probleme finden. Bei all dem darf man nicht vergessen, die Sachen mit Humor anzugehen.

 

JMD: Sehr wichtig ist es, den Jugendlichen zuzuhören, um ihre Anliegen herauszufinden und mit ihnen Lösungen erarbeiten zu können. Strukturiertes Arbeiten, Geduld und die Kenntnisse vom Sozialrecht sind dabei von großer Bedeutung. Weiterhin ist ein breites Wissen über lokal verfügbare Angebote zur Orientierung für die Jugendlichen unabdingbar.

 

Diakonie: Empathie, Sprachenaffinität, Geduld, Zuhören, Toleranz, Unparteiisch, Fachwissen, Flexibilität, Beratung mit Dolmetschern, Interkulturelle Kommunikation

 

Welche Herausforderungen und Hürden sehen Sie bei der Integration von Zugewanderten?

 

Caritas:  Aus unserer Sicht stehen die sprachlichen Barrieren am meisten der Integration im Weg. Aber auch kulturelle Unterschiede, bürokratische Hürden, sowie die formale Anerkennung von Abschlüssen behindern und verzögern den Integrationsweg.

 

JMD: Sprachliche Defizite und die mangelnden Kenntnisse von Rechten und Pflichten erschweren die Integration ebenso wie die häufig schwierige finanzielle Situation. Teilhabe an gesellschaftlichen Angeboten ist dadurch oft nicht möglich. Ebenso ist es sehr schwer eine Wohnung zu finden, was auch durch den Mangel an geeignetem Wohnraum bedingt ist. Viele Jugendliche möchten eine Ausbildung machen oder arbeiten, um sich finanziell unabhängig eine Zukunft in Deutschland aufzubauen. Die Herausforderung besteht darin, geeignete Ausbildungs- bzw. Arbeitsstellen zu finden.

 

Diakonie: Vielleicht besser: Zugewanderte müssen besser Kenntnis über die Beratungsangebote bekommen. Es gibt sprachliche und kulturelle Hürden, sowie beim Verständnis von bürokratischen Abläufen und einen hohen bürokratischen Aufwand. Für Ortsansässige ist es unbequem, sich auf Neues und Fremdes einzustellen - die Bereitschaft dafür braucht Motivation und Wissen über korrekte Fakten (z.B. dass wir Neuzuwanderung brauchen, wenn wir unseren momentanen Lebensstandard in Deutschland aufrecht erhalten wollen - und zwar mehr, als derzeit neu zugewandert wird.) Es gibt Vorbehalte gegen fremdes Kultur-, Beziehungs-, und Religionsverständnis: hier braucht es Wissen bzw. Fortbildung für sowohl Ansässige als auch Neuhinzukommende. Das deutsche Bildungssystem: oft nicht kompatibel, oder wird nicht verstanden. Die Menschen erleben zum Teil Diskriminierungen im Alltag, in der Schule und durch Behörden.

 

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen in Zusammenhang mit Covid-19 war bzw. ist eine persönliche Beratung zum Teil nur eingeschränkt möglich. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?

 

Caritas: Wir waren immer im Büro anwesend, die persönlichen Beratungen wurden natürlich auch wie fast überall eingestellt. Unserer Klient*innen konnten uns telefonisch, postalisch oder per E-Mail erreichen. Natürlich war die Kommunikation sowohl für uns als auch für unsere Klienten immer wieder schwierig, deswegen fanden in dringenden Fällen auch „outdoor“ Kontakte statt. Die Beratung wird seit Ende Mai bereits wieder persönlich, mit einem Hygienekonzept durchgeführt. Einige Klient*innen wurden Corona-bedingt arbeits– und wohnungslos und man befasst sich mit Problemen und Fristen und versucht zusammen mit den Klient*innen das bestmöglichste Ergebnis zu erreichen.

 

JMD: Viele Jugendliche hatten erhöhten Bedarf an Unterstützung bei gleichzeitig erschwerten Beratungsbedingungen. Der Verlust von Arbeitsstellen oder Kurzarbeit führte zu Unsicherheit die Zukunft betreffend und zu finanziellen Problemen. Einige Jugendliche konnten ihre für die Ausbildung notwendigen Sprachzertifikate nicht rechtzeitig erwerben, andere schafften ihre Prüfungen durch den ausgefallenen Unterricht nicht und konnten dadurch nicht in Ausbildung oder ins Erwerbsleben starten. Beratung fand häufig am Telefon, über E-Mails und über den Postweg statt, jedoch zeigte sich dabei, wie wichtig eine persönliche Beratung ist um sicherzustellen, dass die Jugendlichen alles verstanden hatten.

 

Diakonie: Durch das Kontaktverbot und das Betretungsverbot für unsere Büros in den Flüchtlingsunterkünften wurden Bestandsklient/innen der letzten 12 Monate regelmäßig abtelefoniert. Dokumente wurden per Post erledigt. Für Menschen mit geringer Sprachkenntnis oder Analphabeten war es schwierig, die Beratung zu kontaktieren und die Informationen zu verstehen. Für Menschen, die in finanziellen Engpässen leben, war es nicht möglich, aktiv in einen telefonischen Kontakt zu gehen (da kein Guthaben auf dem Handy). Für Schüler/innen in den Unterkünften war es aufgrund fehlenden W-LANs meist nicht möglich, am Online-Unterricht oder den Angeboten des Homeschooling teilzunehmen. Teilweise waren die Klient/innen in höchstem Maße verunsichert.

 

An welche schönen Momente in Ihrer Berater-Tätigkeit denken Sie gerne zurück? Was sind die Erfolgsgeschichten ihrer Tätigkeit?

 

Caritas: Durch unsere Arbeit bekommen wir viele Einblicke in sehr unterschiedliche Schicksale unserer Klienten und deren Familien, mit glücklichen, aber oft auch traurigen und herausfordernden Lebenssituationen. Es ist ein schönes Gefühlt, wenn durch unsere Unterstützung die Klienten*innen etwas erreichen können und wenn sie auch bei Kleinigkeiten schon sehr dankbar sind. Unsere Hilfe kann nur eine ganz einfache Sache sein, wie z.B. einen Antrag auszufüllen, aber dadurch ist für sie „das tägliche Brot“ ab morgen gesichert.  der wenn sie sich mit glänzenden Augen bei uns bedanken, da endlich nach großem Aufwand die Familie nach Deutschland einreisen durfte und sie sich nach vielen Jahren wiedersehen können.

 

JMD: Schön ist es, wenn die Jugendlichen ihren Schulabschluss schaffen, eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle finden oder einen Studienplatz erhalten. Inzwischen haben die ersten Jugendlichen ihre Ausbildung abgeschlossen und wurden von ihren Betrieben übernommen.

 

Diakonie: Wenn eine Familie nach 5 Jahren eine eigene Wohnung beziehen darf. Die Dankbarkeit in den Augen steht, selbst bei kleinen Hilfen. Wenn Geflüchtete oder Migrant/innen sich nach Jahren melden, Wohnung, Beruf, Auto etc. haben und nun in der Lage sind, selbst ehrenamtliche Hilfe für Neuzugewanderte anzubieten.

 

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