Stadt Kempten Kempten erleben Kultur & Unterhaltung Ausstellungen Kunstausstellung 2020 Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung_Florian Rautenberg

Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung 2020: Florian Rautenberg

für sein Werk "The Beaster Mega Plan"

Florian Rautenberg aus Legau wird von der Jury für seine Arbeit „The Easter Beaster Mega Plan” (Holz, Acrylfarbe, Stoff, Seile) mit dem Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung 2020 ausgezeichnet.

 

Die Begründung der Jury

Aus der Entfernung betrachtet erinnert Florian Rautenbergs Installation „The Easter Beaster Mega Plan“ an einen Spielplatz mit herumliegendem Kinderspielzeug. Diese Wirkung wird nicht zuletzt durch die poppige Farbigkeit des vielteiligen Werks unterstützt. Bei näherer Inspektion der einzelnen Werkkomponenten werden jedoch schnell Assoziationen zu Objekten wach, die im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen stehen. Obgleich nicht alle Gegenstände eindeutig entschlüsselbar sind, glaubt man doch Pfeilspitzen, Granaten, Wurfgeschosse oder Schilde zu entdecken. Rautenbergs Waffenarsenal wirkt auf Grund der Formvereinfachung, der Farbe und der Materialwahl jedoch nicht besonders bedrohlich. Rautenberg lässt die Betrachterinnen und Betrachter im Unklaren darüber, ob Krieg hier zum Spiel erklärt wird oder ob die Installation ein Verweis auf die kindliche Fantasie ist, in der imaginierte Kriegsschlachten das Gefühl von Macht und Unverwundbarkeit erzeugen.
Der Künstler, der auch als Zeichner, Lyriker und Performer arbeitet, regt mit seinen kreativen Werken immer wieder die Fantasie seines Publikums an und entführt sie in fiktive und fantastische Welten. Unterstrichen wird diese Intention auch durch die lautmalerischen Titel der Arbeiten des Allgäuers.

 

Lebenslauf Florian Rautenberg (Legau)


1982 

geboren in Starnberg


2005 – 11 

Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Albert Hien und Prof. Herrmann Pitz

lebt und arbeitet im Allgäu

 

Ausstellungsbeteiligungen


2020 

München, Galerie von Empfangshalle, Jewellery-Not Jewellery


2019 

Augsburg, Glaspalast, 71. Große Schwäbische Kunstausstellung 
Kempten, U1 Art Project, Farbe bekennen
Aichach, Kunstverein, Ausstellung zum 26. Aichacher Kunstpreis
München, Galerie der Künstler, Tacker


2018 

München, KreativQuartier, Wannda Kulturfestival


2013 

München, Leonrodplatz, Aaber Award


2012 

München, Alte Polizeiwache, Aaber Award


2011 

München, Aaber Artspace, Sehnsucht
München, Autoren Galerie, Bilder, Briefe, Noten LXXIV
Stuttgart, Utopia Parkway/ Interventionsraum, Bummibäbä

 

Einzelausstellungen


2019 

Kempten, Kunsthalle, Draggonkings Regrut


2011 

Augsburg, Provokationsraum, Flautibau


2009 

München, Breisacherstr.13, Ausstellung


2007  

München, Akademiegalerie, Weapons of Mass Destruction

 

Förderungen/Preise


2019 

Kunsthallen-Stipendium der Stadt Kempten


2014  

Zuschuss der Regierung von Oberbayern nach dem Atelierförderprogramm für bildende Künstlerinnen und Künstler

 

Florian Rautenberg über seine Arbeit

Meine künstlerische Arbeit umfasst hauptsächlich die Bereiche Installation und Skulptur, aber auch Malerei, Grafik und Zeichnung. Die Vorgehensweise im Falle von Installationen, ob sie nun einen gesamten Raum einnehmen, oder in kompakterem Format, wie beim aktuell ausgestellten Werk, lässt sich dabei in zwei klar definierte Etappen einteilen: Zuerst schaffe ich ein Modell, welches mir erlaubt in spielerischer Art und mit verhältnismäßig geringem Zeitaufwand, bildnerische Ideen umzusetzen. Der Fokus liegt hierbei auf Spontaneität und Spiel, dem assoziativen Ausprobieren und fantasievollen Umgang mit Formen. Sobald sich die Erscheinung und der Inhalt des Bildes in einem Zustand befinden in dem nichts hinzugefügt werden muss und nichts mehr weggenommen werden kann, gilt das Werk als eigentlich fertig, das heißt der frei schöpferische und somit wesentliche Teil des Kunstwerks ist damit abgeschlossen. In der zweiten Etappe wird das Modell auf seine eigentliche Größe skaliert. Hierfür werden zuerst Abmessungen genommen, dann die einzelnen Bauteile hergestellt (vorwiegend aus Holz) und schließlich alles zusammengebaut. Dieser Teil der Arbeit ist hauptsächlich handwerklicher Natur, da es hierbei darum geht mit größtmöglicher Genauigkeit die Spontaneität der im Modell festgehaltenen bildnerischen Idee einzufangen. Lediglich bei der abschließenden Farbgebung entstehen aufgrund der unterschiedlichen Größenverhältnisse zwischen Modell und originalem Werk zusätzlich gestalterische Wendungen.

 

Als Künstler sehe ich meine eigentliche Aufgabe darin Bilder zu erschaffen. In diesen geht es letztlich immer um die Möglichkeit der Gleichzeitigkeit von Zuständen und Ereignissen, um eine gewisse Zeitlosigkeit und die Neutralität von Dingen. Die Fantasielandschaften, -szenen und -geschöpfe in den Werken stehen dabei oft symbolhaft für das Unbekannte an sich, für andere, außerhalb unserer Vorstellung existierende Welten. Genau diese Fremdartigkeit, mal in der Form von logischen Lücken, mal als schwer definierbare äußere Erscheinung eines Objekts, ist es welche für mich ein Kunstwerk interessant macht. Mein Versuch ist es dahingehend, dreidimensionale Bilder voller Geheimnisse und Rätsel zu erschaffen, die rational schwer zu erfassen sind und dadurch die Notwendigkeit einer anderen, subtileren Art des Verstehens erzeugen.

Beim Titel des hier ausgestellten Werks „The Easter Beaster Mega Plan“ handelt es sich, analog zu den Objekten, um den rein spielerischen Umgang mit Worten und Silben, welcher dem Werk auf lautmalerisch assoziative Weise zusätzlich Hinweise zu möglichen Bedeutungsebenen gibt. Doch durch die bewusst im Bereich des Undefinierten und Symbolischen gehaltene Bildsprache der dargestellten Objekte bleibt es letztendlich der Betrachterin überlassen, die darin angedeuteten Geschichten und deren verschiedene thematischen Richtungen, entweder zu interpretieren, oder aber einen ganz eigenen Zugang zu ihnen zu finden. Denn im Speziellen in der Kunst könnte es durchaus sein, dass das Rätsel an sich gleichzeitig schon die Lösung ist.

 

Foto: Sienz

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Kunstausstellung | Kunst aus dem Allgäu 2020

Ausstellung vom 8. August bis 2. Oktober 2020

Großer Sonderausstellungsraum im Marstall (Alpin-Museum)
Landwehrstraße 4
87439 Kempten (Allgäu)

Öffnungszeiten:

8. August bis 16. August, täglich von 10 bis 18 Uhr
18. August bis 2. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr

Eintritt frei!



museen@kempten.de