Technische Querschnittsthemen Technische Querschnittsthemen den Kompetenzen und eingesetzten Technolo- gien der Verwaltung auch die städtischen Dienst- leister aktiv in die Entwicklung einer smarten Kommune mit einbezogen werden. Des Weiteren „können beispielsweise Stadtwerke oder städti- sche Datenverwaltungen einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung, aber auch für den perspektivi- schen Weiterbetrieb von Smart City Maßnahmen leisten“ (14). Wichtig sei eine Prüfung, ob beste- hende technische Infrastrukturen „zukunftsfähig sind, über offene Schnittstellen verfügen, flexible Datenmodelle verwenden und in Eigenleistung oder von Drittfirmen weiterentwickelt und ange- passt werden können“ (14). Ein weiterer wichtiger technischer Aspekt ist die Interoperabilität von Software- und Produktlösungen verschiedener Anbieter untereinander, denn erst dadurch kann sich die technische Infrastruktur den zukünfti- gen und damit sich ändernden Anforderungen anpassen. „Eine drohende Anbieterabhängigkeit (Vendor-Lock-In) muss bei der Auswahl der tech- nischen Lösungen unbedingt vermieden werden, da sonst unkalkulierbare Folgekosten entstehen können“ (14). Damit eng verknüpft sind schließ- lich die Themen Datenaustausch, basierend auf einheitlichen Datenformaten, und die kommunale Datenhoheit. Im Kontext einer Smart City gilt Interoperabilität als das entscheidende technische Schlüssel- konzept, wie beispielsweise eine fortiss-Studie erläutert1. Interoperabilität ist demnach, „sowohl auf technischer als auch auf organisatorischer Ebene die Fähigkeit von verschiedenartigen Systemkomponenten, IKT-Systemen oder Or- ganisationen miteinander zu kommunizieren, Informationen und Wissen zu übertragen, Pro- gramme auszuführen und zusammenzuarbei- ten, um gegenseitig vorteilhafte und vereinbarte gemeinsame Ziele zu erreichen“ (9). Die folgende Abbildung aus der fortiss-Studie zeigt eine wei- tere Differenzierung dieses wichtigen Konzepts. Die vertikale Interoperabilität meint dabei primär die Beziehungen und den Austausch zwischen einzelnen technischen Komponenten und Da- tenquellen, während die horizontale Interopera- bilität die Interoperabilität zwischen –> Daten- plattformen und Datennutzern bezeichnet. In Ergänzung zu den vorgenannten Konzepten spielen noch weitere technische Aspekte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Umset- zung einer Smart City: Wie die alljährlich ver- öffentlichten Studien zu Technologieentwick- lungen und IT-Trends aufzeigen2, gibt es stetig neue technische Konzepte und Ansätze, die in einer nachhaltigen (Technologie)-Strategie be- rücksichtigt werden müssen. Auf welche zu- künftigen technischen Herausforderungen und Trends sollte sich die Smart City Kempten folg- lich einstellen und entsprechend vorbereiten? Vernetzung der föderalen Ebenen Schon jetzt laufen rund 80 Prozent der Ver- waltungsleistungen, inklusive der Landes- und Bundesleistungen, über die Kommunen (26). Zu- künftig wird dieser Wert wahrscheinlich weiter zunehmen, auch aufgrund der Auswirkungen des überarbeiteten –> Onlinezugangsgesetzes (OZG 2.0). Aufgrund der technischen Vernetzung werden Kommunen über Ticketsysteme anderer föderaler Ebenen Daten und Dokumente bekom- men, die aber in eigenen kommunalen Fachver- fahren nicht automatisiert weiterverarbeitet werden können3. Hier stehen die Kommunen vor der Herausforderung, bei hoher Innova- 2 Bspw. die Trendstudien von Gartner, IDC, Deloitte (www. deloitte.com/de/de/pages/enterprise-performance/artic- les/tech-trends-2023.html) 1 Die Studie wurde auf Initiative des NEGZ (Nationales E-Government Kompetenzzentrum) erstellt. 3 vgl. Ziebolz, 2023. (26) tionsdynamik ihre eigenen Prozesse noch um- fangreicher als bisher zu transformieren und zu digitalisieren, sowie eine zumeist heterogene IT- Landschaft aktuell zu halten und auszubauen, so dass sie „Smart City ready“ sind. Nutzung kommerzieller Cloud-Systeme Die öffentliche Verwaltung wird in Zukunft die Anforderungen an Skalierbarkeit, Flexibilität, Datenschutz und Wirtschaftlichkeit ihrer infor- mationstechnischen Ressourcen nicht mehr ohne die Nutzung kommerzieller Cloud-Syste- me erfüllen können4. Um die Abhängigkeit von global organisierten Cloud-Anbietern besser zu organisieren, gibt es mehrere Handlungsfelder, auf denen die Kommunen aktiv werden müssen. Exemplarisch seien hier drei5 genannt: • Technologien selbst bewerten und beherr- schen, um selbstbestimmte Entscheidungen über deren Einsatz treffen zu können. • Offene Standards und Open Source nutzen, um unabhängig von Lizenzen und Beschrän- kungen zu werden. IT-Architekturen6 schaffen, die unterschiedliche Cloud-Systeme einsetzen, um unerwünschte Bindungen an einzelne Anbieter zu vermeiden. 4 vgl. Ziebolz, 2023 (26) und vgl. Achtert, 2023 (2). 5 vgl. Achtert, 2023. (2) und vgl. Alkassar, A. & Gerlach, J., 2022 (3) sowie die Antwort des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf eine Anfrage (Rote Linien des BSI für Cloud-Angebote für die öffentliche Verwal- tung) vom 25.05.2022 über die Plattform FragDenStaat (https://fragdenstaat.de/anfrage/rote-linien-des-bsi- fuer-cloud-angebote-fuer-die-oeff-verwaltung/#nach- richt-701326). 6 Weitere Informationen: Bezüglich eines Gesamtarchitek- turbildes, dass die Prozess-, Service,- Fachverfahrens- und Infrastruktur-Ebene umfasst, s. das Positionspapier des NEGZ zum Thema Multi-Cloud (1) Insofern ist die Smart City Strategie mit der stadtinternen Cloudstrategie sowie den daten- schutzrechtlichen Bemühungen um den BSI- 200-Standard in Einklang zu bringen. Künstliche Intelligenz (KI) Schließlich wird das Thema der künstlichen In- telligenz (KI) und ihre Rolle in einer Smart City in Zukunft immer wichtiger. So heißt es in einer grundlegenden Studie zum Thema: „Für Kommu- nen gibt es eine unüberschaubare Anzahl mög- licher Einsatzzwecke; manche Lösungen können bereits heute helfen, aktuelle und dringliche He- rausforderungen der digitalen Transformation zu meistern. Allen gemeinsam ist, dass sie in den Dimensionen Durchgängigkeit ohne Medienbrü- che, Möglichkeiten der Entscheidungsvorberei- tung und Assistenz- und autonome Funktionen zu höherer Qualität, größerer Geschwindigkeit, besseren Arbeitsbedingungen und geringeren Kosten beitragen können“ (10). Schaut man je- doch auf den typischen KI-Lebenszyklus, be- stehend aus Datenaufbereitung, Datenanalyse, Modellentwicklung, Modellanwendung und Per- formance Monitoring, ergeben sich sofort Fra- gen nach Machbarkeit und Skalierbarkeit von KI-Lösungen. Kritisch zu hinterfragen ist also, ob selbst in einer Smart City Kommune wie der Stadt Kempten solch ein Lebenszyklus mit Blick auf den technisch-organisatorischen Aufwand überhaupt abgebildet werden kann. Spezifische Herausforderung für die Stadt Kempten (Allgäu) Die Herausforderung liegt darin, die unterschied- lichen wichtigen Akteure, wie beispielsweise die Kommunalunternehmen der Stadt Kempten (All- gäu), nicht nur in ein ideelles Netzwerk einzu- binden, welches der Idee einer Smart City ver- pflichtet ist, sondern in einem größeren Verbund zu organisieren, der auch mit externen Partnern technisch funktioniert. Das bedeutet, dass die IT-Infrastrukturen zwischen den Akteuren inter- operabel sein müssen, sodass Daten unterein- 88 89