Stadt Kempten Kempten erleben Kultur & Unterhaltung Ausstellungen 69. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche Elisabeth Bader

Elisabeth Bader
Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu

„Wellenbrecher faviidaeisch“

Draht, Wachs, diverser Materialreste

45 x 75 x 55, 2018

 

 

 

 

 

 




Begründung durch die Jury

Das skulpturale Werk zeigt das Spiel mit Alltagsmaterialien und einen sehr sensiblen Umgang mit Raum. Es hat einen schwebenden, leichten und artifiziellen Charakter.

Von weitem sieht es sehr fein und edel aus, von Nahem jedoch entdeckt man kleine Einschlüsse von Materialresten wie Fäden, Draht und auch Schmutzpartikel. Die Form bekommt dadurch etwas Stoffliches, Organisches, Amorphes und löst Assoziationen in viele Richtungen aus, vor allem auch zur Natur, wie beispielsweise zu den Faviidae, den in den tropischen  Meeren lebenden  Steinkorallen.  In ihrem ambivalenten Charakter zwischen einer Harmonie der naturhaften Form und dem artifiziellem Charakter der Materialien sind der Skulptur auch Verweise zur Ökologie eingeschrieben.

Das Werk zeigt einen neuen Ansatz der Künstlerin und ist zugleich Beweis für ihre kontinuierliche künstlerische Weiterentwicklung. Es macht neugierig darauf, was noch kommen wird.

 

Elisabeth Bader über ihre Arbeit
 

Ausgangspunkt vieler meiner Arbeiten der letzten Jahre sind akribische Beobachtungen in der Natur, die ich anschließend in Zeichnungen, Collagen oder Objekte transformiere.

Sobald mich ein Themenkomplex fesselt, sammle ich zusätzlich Fachinformationen. Mir sind nicht nur die äußeren Erscheinungsbilder von Flora und Fauna, sowie die darin beobachtbaren Vorgänge für meine künstlerische Arbeit von Bedeutung. Mich interessieren die komplexeren Zusammenhänge, das Wie und Warum im ökologischen System. Welche Rolle spielen darin jeweils wir – die Menschen. Ich suche Antworten und finde noch mehr Fragen. Es ist ein langsames Vortasten, zeichnen, bauen, bis ich das Thema – vorerst – für mich erarbeitet habe. Es entstehen keine Serien, es entstehen verschiedene Familien, mit unterschiedlichsten Familienmitgliedern. Sie bilden nicht ab. Das sollen sie nicht. Ich möchte, dass Betrachter stehen bleiben, stutzen, schmunzeln oder irritiert sind, ihre eigenen Assoziationen und Gefühle entstehen lassen.

„Wellenbrecher faviidaeisch“ nimmt Bezug auf Hirnkorallen, die mit ihren äußeren wulstigen Windungen an Gehirne erinnern. Korallen sind faszinierende Wesen. Hochempfindlich bei Umwelteinflüssen, oft uralt und ein Lebensraum für tausende Fische und Pflanzen. Zusätzlich erfüllen Korallenriffs die Schutzfunktion von Wellenbrechern. Durch das Teilen der Strömungen und Meereswellen treffen diese mit weitaus weniger Wucht auf die Küsten.

Jeder Polyp der Koralle lebt in Symbiose mit kleinen Algen. Wird das Wasser etwas zu warm, verlässt die Alge den Polyp, die Koralle stirbt nach und nach ab. Damit ein gesamtes Ökosystem.

Mein Wellenbrecher ist geschaffen aus Wachs- und Drahtresten, ein paar Fäden, sowie vielen Klein- und Kleinstmaterialien. Er ist schwer und doch äußerst fragil. Zu viel Druck und zu viel Hitze verträgt er nicht. Der Einsatz von Wegwerfmaterial in der künstlerischen Gestaltung bedeutet für mich die Wichtigkeit der Mehrfachverwendung von scheinbar nutzlos Gewordenem, doch mir Wertvollem. Mein Grundethos ist Achtung und Respekt vor der Natur und ihren Geschöpfen.

 

Über die Künstlerin


 

1978 geboren in Kempten, aufgewachsen in Betzigau
1997 Abitur in Kempten, Allgäu-Gymnasium
1998-2004 Kunstpädagogik und Sonderpädagogik / Gehörlosenpädagogik (LMU München)
2004-2005
 
Malerei, Radierung und Lithographie
an der Facultad de Bellas Artes, Universidad Complutense de Madrid
2005-2007

 
Redaktionelle und organisatorische Mitarbeit am 4. Europäischen Kunstpreis EUWARD 2007 (Förderpreis für Künstler mit geistiger Behinderung)
   
Preise:  
2010 Kunstförderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung, Kempten
2010 Familie Paul Breitkopf-Preis, Marktoberdorf
2012 Kunstpreis der Skulptura 12, Buxheim
2013 Skulpturen-Sonderpreis, Irsee (Gemeinschaftswerk mit W. Becker)
2016 Füssener Förderpreis für junge Kunst
2018 Krumbacher Kunstpreis


Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl)
 

2017 "Wenn ich das wüsste", Rathaus Stadtbergen [E]
2016
 
"Gratwanderung", Kempten, Kleines Kunstforum 9c [E]
"Stille finden", Kunstverein Neckar-Odenwald [E]
2015

 
"Trichoptera", Schwabentag-Symposium
"Verlagert", Kunstverein Leutkirch (mit C. Dittrich u. B. Rummert)
"Im Inneren", Herz Jesu Kirche, Augsburg
2014 Doppelleben", Kunstverein Bobingen (mit G. U. Richter)
2013

 
"erinnerungsspeicher", Berlin, kunstraum t27, Kunstverein Neukölln
"Landschaft in Schwaben heute – zehn Sichtweisen", Schwäbische Galerie Oberschönenfeld
"Wohngemeinschaft", Kornhaus Weiler (mit A. C. Neidhart und C. Hof)
2012 "raumzeit", künstlersozietät mennel rummert bader hof, Hofgartensaal Kempten
2011 "Dialog", Textilmuseum Augsburg

 

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Informationen kompakt:

Ausstellungsdauer:

11. August bis 30. September

Öffnungszeiten:

11.08.-19.08.2018 (während der Allgäuer Festwoche), täglich, 10-18 Uhr

21.08. bis 30.09.2018, Dienstag bis Sonntag, 10-16 Uhr

Postanschrift:

Großer Sonderausstellungsraum im Marstall (Alpin-Museum)

Landwehrstraße 4

87439 Kempten (Allgäu)

Tel. Museum: +49 831 2525-740

Eintritt frei!

Weitere Informationen erhalten Sie von:
Sonja John
+49831 2525-391
Sonja.John@kempten.de
Memminger Str. 5
87439 Kempten (Allgäu)