Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung 2026
Der Künstler Leon Eichelbaum wird von der Jury für seine zweiteilige Arbeit „Vergessen, vergessen werden“ (Fotografie) & „Tag und Nacht“ (Installation/Skulptur) mit dem Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung 2026 ausgezeichnet.
Leon Eichelbaum über seine zweiteilige Arbeit „Vergessen, vergessen werden“ & „Tag und Nacht“:
Meine Kunst entsteht nicht aus einer bewussten Entscheidung, sondern aus einem inneren Bedürfnis heraus. Sie ist für mich eine Möglichkeit, Erfahrungen, Gefühle und Widersprüche zu ordnen, die im Alltag oft schwer greifbar bleiben.
Dabei interessiert mich, wie persönliche Erlebnisse mit gesellschaftlichen Strukturen verbunden sind: mit Fragen von Verantwortung, Sichtbarkeit, Fürsorge und Teilhabe.
Ich arbeite in verschiedenen Medien und lege den Fokus darauf, welches Medium sich im jeweiligen Moment am nahbarsten anfühlt. Mein künstlerisches Schaffen reflektiert, was häufig als selbstverständlich hingenommen wird, und öffnet einen Raum, in dem Verletz-lichkeit, Abwesenheit und Verbindung sichtbar werden können. Durch meine Erkrankung an ME/CFS zeigt sich für mich, wie wichtig Verbindung ist – und wie schmerzhaft ihr Fehlen sein kann.
Die Realität von ME/CFS ist für viele Betroffene von Vernachlässigung, Isolation und fehlender medizinischer Versorgung geprägt. Meine eigene, durch die Erkrankung hervorgerufene gesellschaftliche Abwesenheit empfinde ich als entwürdigend. Ich entscheide mich nicht einfach dafür, Kunst zu schaffen; ich muss es tun, weil ich an einem Leben festhalten möchte. Durch mein Schaffen finde ich zurück zu innerer Weichheit, zu Erinnerung und zu einer Form von Akzeptanz. Gleichzeitig gibt es mir die Möglichkeit, zu kritisieren, aufzudecken und zu hinterfragen.
Meine Arbeiten sind stark autobiografisch geprägt. Sie zeigen den Wandel von einem selbstbestimmten Leben hin zu Pflegebedürftigkeit, aber auch die gesellschaftliche Gleichgültigkeit, mit der ME/CFS-Betroffene tagtäglich konfrontiert werden. Sie sind ein Appell an Gerechtigkeit und Solidarität, aber auch eine Möglichkeit, um Menschen zu trauern, die ich verlieren musste, um Freund*innen, die ich nicht mehr sehen kann, und um Stunden voller Schmerzen. Kunst und die Freiheit des Kreierens erinnern mich daran, wie schön es sein kann, Mensch zu sein, und wie wichtig es ist, Mensch zu bleiben.
Begründung der Jury zu Leon Eichelbaums Werk „Vergessen, vergessen werden“ & „Tag und Nacht“:
Eichelbaums Arbeiten thematisieren die Fragilität und Brüchigkeit des Lebens. Seine analogen Fotografien nutzen eine Ästhetik des Flüchtigen – sie wirken wie spontane Schnappschüsse oder Videostills, die ein „junges Lebensgefühl“ direkt und ehrlich einfangen. Durch die bewusste Wahl von Belichtung und Komposition reflektiert er darüber, wie Fotografien die eigene Erinnerung überlagern. Ergänzend dazu nutzt er in seiner skulpturalen Arbeit medizinische Beipackzettel als Medium für poetische Texte, was als „Kleingedrucktes eines Lebenszustands“ interpretiert werden kann und die unsichtbaren Bruchstellen der Existenz thematisiert.
Vita Leon Eichelbaum
Leon Eichelbaum, geb. 2000, in Memmingen
Ausstellungen
2026 Einzelausstellung, There Is No Other Place Like Home kultur.lokal.fürth, Fürth
2025 Einzelausstellung, donc, Huji Maja, Freiburg – wegen Krankheit abgesagt
2024 Gruppenausstellung, 73. Kunstaustellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche, Kempten
2023 Gruppenausstellung, Morning Star Toronto
Publikationen
2026 There Is No Other Place Like Home Fotografische Arbeiten über Isolation, Krankheit und Abhängigkeit.
2025 Cells Multiplying In A Tranquil Future Lyrik über Zugehörigkeit, Raum und Verlust.
2022 MIND=MATTER Text, Bild und Malerei
Bildung
2019 – 2023 Bachelor of Engineering: Landschaftsarchitektur Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen Geislingen
2001 – 2018 Abitur am Hans Multscher Gymnasium, Leutkirch
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