Die Kunstpreisträgerin Carolin Breme neben ihrem Kunstwerk
Stadt Kempten Kempten erleben Kultur & Unterhaltung Ausstellungen 74. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche Kunstpreis der Stadt Kempten 2025

Kunstpreis der Stadt Kempten 2025

Der Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) wird der Künstlerin Carolin Breme für ihr Werk „Felder“ verliehen.

Carolin Breme über ihre Arbeit „Felder“:


Die Inspiration für meine Arbeiten entsteht oft beim Gärtnern. Durch die Tätigkeit inmitten der Pflanzen tauche ich in Bilder und lebendige Prozesse ein. Auch in den zwischenmenschlichen Begegnungen des Alltags erlebe ich eine besondere Poesie. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Geschichte, die vielleicht darauf wartet erzählt und gehört zu werden. Das Schreiben über diese Begegnungen und das künstlerische Arbeiten vertiefen für mich das Gefühl mit der Welt verbunden zu sein. 
Die Arbeit "Felder" zeigt zwei auf Böcken präsentierte Modelle einer Folientunnel-Landschaft. Mittels Salz wurden in den Tunneln Spargel- und Erdbeerbeete nachempfunden – eine Referenz zur Versalzung des Bodens durch Überdüngung und Überwässerung in der konventionellen Landwirtschaft. 
Unter den Modellen stehen Gläser mit eingeweckten Erdbeeren und Spargel – abgestellte Erinnerungen an eine vergangene Zeit. 
Zu hören sind Erzählungen von Begegnungen mit Menschen, die anonym hinter unserer Nahrungsmittelproduktion stehen. Frauen, die Opfer patriarchaler und kapitalistischer Strukturen der industriellen Landwirtschaft werden und die im übertragenen Sinne auch für die Ausbeutung der (Mutter-) Erde stehen.

 

Begründung der Jury:

Carolin Bremes Arbeit Felder überzeugt sowohl durch ihre ästhetische Klarheit als auch durch den vermittelten Inhalt. Die Installation besteht aus Gewächshäusern, die mit einfachen Materialien – Folien, Schnüren, Holz – sehr treffend nachgebildet sind. Auf hölzernen Displays ruhen sie inmitten von Salz – sowohl in den Gewächshäusern selbst als auch auf dem Boden der Installation. Im Salz auf dem Boden stehen außerdem große Einweckgläser – sie verweisen auf eine andere Zeit. Eine Zeit, in der saisonale Ernte haltbar gemacht wurde, statt ganzjährig verfügbar zu sein.

Die Künstlerin thematisiert die industrielle Landwirtschaft und ihre Folgen: Die Tunnelgewächshäuser, wie sie für den Anbau von Spargel und Erdbeeren genutzt werden, stehen in direktem Zusammenhang mit Bodenversalzung, Wasserknappheit und dem intensiven Düngemitteleinsatz.

Bremes Werk ist berechtigterweise sehr kritisch, aber ohne dass die Künstlerin jemanden gezielt angreift. Es stellt die richtigen Fragen: Wie können Böden geschützt und dennoch genutzt werden? Wie lassen sich Ernährungssicherheit und faire Arbeitsbedingungen miteinander vereinen? Die Audioebene der Arbeit erweitert diese Fragestellungen um eine persönliche Dimension. In kurzen, von der Künstlerin erzählten Geschichten werden Menschen sichtbar, die im Rahmen der Lebensmittelproduktion sonst unsichtbar sind: Erntehelfer:innen, Gastarbeiter:innen und andere soziale Gruppen. Sprachbarrieren, Arbeitsrealitäten und soziale Ungleichheiten treten zutage.

Die Reihung der Gewächshäuser verweist auf die industrielle Skalierung – mit Bezug auf die riesigen Gewächshauslandschaften Spaniens, die Europas Obst- und Gemüsebedarf ganzjährig decken und gravierende ökologische Folgen mit sich bringen. Die darin arbeitenden Menschen stehen oft unter sklavenartigen Arbeitsbedingungen.

Felder ist eine vielschichtige Arbeit, die ihre gesellschaftskritische Dimension nicht vordergründig, sondern in einem stillen Ton entfaltet. Ganz subtil tritt sie nach und nach hervor. Die Überlagerung der verschiedenen inhaltlichen Schichten kennzeichnet dieses höchst ästhetische, gesellschaftskritische und preiswürdige Werk.

 

 

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Portraitfoto der Künstlerin Carolin Breme, Foto: Foto Sienz

Videoporträt der Künstlerin von Videograph Daniel Munding
 

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Videoporträt Carolin Breme

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