Eine Seilbahn für Kempten?

Die Stärkung des ÖPNV ist eine der wichtigsten Ziele des Mobilitätskonzeptes Kempten 2030. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass auch neue Wege geprüft werden. Daher untersucht die Stadtverwaltung aktuell die Möglichkeit mit einer urbanen Luftseilbahn den ÖPNV in Kempten zu unterstützen.

 

Was ist die Grundidee?

 

Heute fahren alle Busse der Stadt- und Regionalbuslinien über die ZUM. Zu Stoßzeiten wird es eng und ein Ausbau des Busangebots stößt hier an räumliche Grenzen. Während der Festwoche oder anderen Veranstaltungen wird es noch enger. Außerdem belasten die täglich hunderten Busfahrten die Innenstadt mit Abgasen, Lärm und Feinstaub.

Die Grundidee des Seilbahnprojektes ist es daher die ZUM in ihrer heutigen Funktion deutlich zu reduzieren und an ihrer Stelle zwei neue Hauptknotenpunkte einzurichten. Ein Hauptknotenpunkt wäre am Hauptbahnhof und der andere in der Rottachstraße. Diese beiden Hauptknotenpunkte wären mit einer urbanen Luftseilbahn verbunden. Alle Busse, die in Richtung Innenstadt fahren, würden hier stoppen und die Reisenden würden ohne Wartezeit in eine Seilbahn umsteigen. Weitere Stationen gäbe es am Stadtpark und am Forum Allgäu.

 

Was sind die Vorteile einer Seilbahn?

 

Urbane Luftseilbahnen haben eine hohe Personenbeförderungskapazität und sie fahren stetig, sicher, leise, klimafreundlich und sind kostengünstig im Bau und Unterhalt im Vergleich zu Straßenbahnen. Aktuell prüfen zahlreiche Städte die Integration einer Seilbahn in den ÖPNV, beispielsweise München, Konstanz, Bonn, Köln und Heidelberg. In südamerikanischen Städten wie La Paz oder Medelin sind Seilbahnen bereits heute ein etabliertes Verkehrsmittel.

 

Was bringt mir die Seilbahn, wenn ich in Thingers, Sankt Mang oder Rothkreuz wohne?

 

Fast alle Buskilometer, die heute innerhalb des Rings gefahren werden, würden durch die Seilbahn ersetzt werden und diese freiwerdenden Buskilometer könnten in eine Angebotsverbesserung außerhalb des Rings investiert werden. Die Stadtteile könnten dann mit einer höheren Taktung und einem längeren Angebot mit der Innenstadt verbunden werden. Gleiches gilt für die Regionalbusse.

 

Fahren in der Innenstadt dann überhaupt keine Busse mehr?

 

In der Innenstadt würden auch in Zukunft noch Busse fahren. Allerdings deutlich weniger. Denkbar wäre, dass kleine Busse in der Innenstadt kursieren und auch die Stationen der Seilbahn anfahren.

 

 

Wenn in der Innenstadt weniger Busse fahren, fahren dann bald noch mehr Autos dort?

 

Nein, das Ziel es die Autofahrer zum Umstieg in Bus, Bahn und Seilbahn zu motivieren. Dazu muss man den ÖPNV attraktiver und die Möglichkeit mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren unattraktiver machen. Diese beiden Seiten gehen Hand in Hand.

 

 

Fährt die Seilbahn auch "Auf dem Lindenberg" und die Burghalde?

 

Sofern die Nutzen-Kosten-Untersuchung belegt, dass die Grundidee mit einer Seilbahn auf einer "Stammstrecke" verkehrlich und wirtschaftlich sinnvoll ist, kann untersucht werden, ob eine weitere Anbindung von "Auf dem Lindenberg" und der Burghalde möglich ist. Vor allem ein Anschluss von "Auf dem Lindenberg" würde einige verkehrliche Probleme im Zusammenhang mit dem APC lösen und das APC könnte als touristische Attraktion weiterentwickelt werden.

 

Was ist heute der Stand?

 

Die Stadtverwaltung prüft aktuell, ob die hier beschriebene Idee verkehrlich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Zu diesem Zweck wird in Zusammenarbeit mit einem Verkehrsplanungsbüro eine Nutzen-Kosten-Untersuchung durchgeführt. Die Nutzen-Kosten-Untersuchung basiert auf dem Verfahren der Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des öffentlichen Personennahverkehrs. Dazu werden der Nutzen und die Kosten monetesiert und gegenübergestellt. Der Nutzen bestimmt sich vor allem durch die Verkürzung der Reisezeit im ÖPNV und die Anzahl der Umsteiger vom Auto in den ÖPNV. Die Kosten ergeben sich aus Bau- und Betriebskosten. Ist der Nutzen höher als die Kosten, dann ist das Projekt sinnvoll, was die Voraussetzung für die Förderung des Baus durch den Freistaat Bayern und dem Bund wäre.

Optional wird auch eine Verlängerung der Seilbahn von der Rottachstraße zum Berliner Platz untersucht, um zu erfahren in wie weit dies den Nutzen der Seilbahn erhöhen würde.

 

Gibt es bereits heute eine Förderung?

 

Ja, das Projekt wird in dieser frühen Phase vom Bayerischen Freistaat mit 50.000 € gefördert.

 

Was muss noch beachtet werden?

 

Neben den verkehrlichen und wirtschaftlichen Aspekten gibt es jede Menge weitere Themenfelder, die ein solches Projekt betreffen - soziale, juristische, ökologische und technische. Die wichtigste Frage wird aber sein: "Wollen die Kemptner Bürgerinnen und Bürger eine urbane Luftseilbahn in Ihrer Stadt? Können wir uns das vorstellen?" Eine Umfrage am Stand der Stadt Kempten auf der Allgäuer Festwoche hat gezeigt, dass das Thema Seilbahn polarisiert. Dennoch - viele Kemptner und Kemptnerinnen waren offen dafür diese Idee einmal untersuchen zu lassen. Das Ergebnis der Nutzen-Kosten-Untersuchung soll uns allen, Stadtverwaltung, Politik, Bürger und Bürgerinnen, als Grundlage für eine erste fundierte, öffentliche Diskussion dienen und uns dabei helfen zu entscheiden, ob diese Idee weiterverfolgt werden kann.

 

 

Was bisher geschah?

 

08. April 2019

Vorstellung Seilbahn-Idee auf einer Pressekonferenz der CSU

 

07. Mai 2019

Beschluss im Haupt- und Finanzausschuss für eine Untersuchung der Seilbahn-Idee

 

08. Juli2019

Podiumsdiskussion zum Thema Seilbahn an der Hochschule Kempten

 

08. August 2019

Bürgerbefragung zur Seilbahn auf der Festwoche

 

09. September 2019

Übergabe deines Förderbescheids durch den bayerischen Verkehrsminister Dr. Reichhart

 

08. Oktober 2019

Präsentation des aktuellen Stands im Verkehrsausschuss

 

Dezember 2020

Vergabe einer Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) an ein Verkehrsplanungsbüro. Das Verfahren folgt der Norm einer standardisierter Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des öffentlichen Personennahverkehrs. Eine positive Bewertung nach diesem Verfahren ist die Voraussetzung für den Erhalt von Fördermittlen vom Land Bayern und vom Bund für den Bau einer Seilbahnanlage.

 

27. Oktober 2020

Erste öffentliche Präsentation eines Zwischenergebnisses im Ausschuss für Mobilität und Verkehr. Das Zwischenergebnis der Untersuchung fällt zu Ungunsten der Seilbahn-Idee aus. Ausschlaggebend für das negative Ergebnis sind die häufigeren Umstiege und die längeren Reisezeiten, welche systembedingt entstehen, wenn zwei Umsteigeknotenpunkte am Rande des Zentrums, anstelle eines Umsteigepunktes im Zentrum, zur Verfügung stehen. Vor allem die Wartezeiten stadtauswärts, beim Umstieg von der Seilbahn in den Bus wirken extrem negativ auf die Bewertung.

Dem Vorschlag, bei einer weiterführenden Planung das Bussystem detaillierter auf die Anforderungen eines Seilbahnsystems mit zwei Hauptumsteigestellen anzupassen, folgte der Ausschuss für Mobilität und Verkehr nicht. Er beschloss keine weiterführenden Untersuchungen zu beauftragen.

 

30.10.2020

Antrag der Stadträte von CSU und Junge Union den Beschluss im Ausschuss für Mobilität und Verkehr vor dem gesamte Stadtrat nachzuprüfen, mit der Begründung, dass das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr womöglich die gezahlte Förderung zurückfordern könnte.

 

Seit dem

Bedingt durch die Corona-Pandemie konnte seitdem noch kein Ausschuss für Mobilität und Verkehr tagen. Gemäß der Geschäftsordnung muss dieser dem Antrag zustimmen, bevor der Stadtrat den Beschluss nachprüfen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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