Rückblick auf 70 Jahre Allgäuer Festwoche, 1949 – 2019

Eine Erfolgsgeschichte mit Tradition und Trend - Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine beispiellose Großveranstaltung aufziehen zu wollen, das war ein kühnes Unterfangen. Es ist gut gegangen. Die erste Allgäuer Festwoche war ein voller Erfolg.

Dank großen Einsatzes, Organisations- und Improvisationstalents. Alles war damals knapp. Lebensmittel und Kraftstoffe wurden bewirtschaftet, also der Mangel verwaltet. Das galt auch für Wohnraum. Zwangseinquartierungen waren nicht selten. Eigentlich keine günstigen Umstände.

 

Beeindruckend ist das Tempo, mit dem die Akteure das Projekt Festwoche vorantrieben. In der ersten Aktennotiz von OB Dr. Georg Volkhardt vom 18. November 1948 hieß es allerdings noch „Kemptener Kunst und Können“. Bereits am 22. November fasste der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss. Dann wurden zur Vorbereitung der „geplanten Gewerbeschau“ ein Haupt- und sechs weitere Fachausschüsse eingerichtet. Anfang März 1949 bekam das Kind auf Vorschlag von Bürgermeister Albert Wehr diesen Namen: „ALLGÄUER FESTWOCHE – Wirtschaftsmesse, Kunstausstellung und Landwirtschaftsschau in Kempten vom 20. bis 28. August 1949.“ Der erste Organisationleiter Hans Mayr schrieb in seinem Abschlussbericht: „Vorsitzender des Hauptausschusses wurde Herr Bürgermeister Wehr, der damit die Hauptlast und die Hauptverantwortung für das Gelingen der Allgäuer Festwoche 1949 übernahm.“ Wehr blieb Jahrzehnte lang Chef.

 

Die Durchführung der Allgäuer Festwoche war ein Ausdruck des Lebenswillens. Sie wurde begründet, um den Menschen und der Wirtschaft nach den Verwüstungen und Entbehrungen, die der Krieg mit sich gebracht hatte, wieder Auftrieb zu geben. Volkhardt, Wehr und andere verfolgten neben der Wirtschaftsförderung ein weiteres wichtiges Ziel: den Zusammenhalt in der Bevölkerung stärken.

 

Das von den Gründern entwickelte Grundkonzept funktioniert heute noch. Die Festwoche ist ein Unikat. Sie ist eine in Deutschland einmalige Mischung aus Messe, Kunst, Kultur, Brauchtumspflege, Kommunikation, Geselligkeit und ein gesellschaftliches Ereignis. Dabei kommt die Wirtschaftsförderung keineswegs zu kurz. Mehr als 50 Millionen Euro Umsatz generiert die Festwoche direkt und indirekt.

 

Eines ihrer Erfolgsgeheimnisse ist die Verbindung von Tradition und Trend. In ihr spiegeln sich wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen der letzten 70 Jahre. Erst ging es darum satt zu werden, dann, wenn man eine hatte, die Wohnung einzurichten. Mit dem beginnenden Wirtschaftswunder kamen neue Wünsche auf: die erste Waschmaschine, ein Kühlschrank und der erste Fernseher. Wurde alles gern auf der Festwoche gekauft, die Messepreise lockten.

 

Seit jeher ist die Allgäuer Festwoche eine Bühne für Neues. Ende der Siebzigerjahre konnten sich die Messebesucher durchaus schon über Solarenergie informieren. Das tat aber nur eine Minderheit. In den Jahrzehnten davor wurde Kohle als der Energieträger beworben. Als dann das Internet jung und Flatrates noch nicht üblich waren, lockte die Möglichkeit kostenlos zu surfen. Heute kein Thema mehr. Jetzt geht es um das „Internet der Dinge“ und „Wirtschaft 4.0“. Tradition und Trend – seit 70 Jahren immer wieder neu.

Und die Aussichten? Sind gut. Analoge Marktplätze wie die Allgäuer Festwoche behaupten sich neben und in Ergänzung der digitalen Welt. Mit ihrer einzigartigen Mischung bietet die Festwoche Erlebnisse, die virtuell nicht zu haben sind. Soziale Kontakte sind ein Grundbedürfnis des Menschen. Der Dreiklang aus Wirtschaftsmesse, Kulturtagen und Heimatfest hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren.

 

Stimmen zur 1. Allgäuer Festwoche 1949

 

Hermann Schallhammer, Kurdirektor Oberstdorf, der später Bürgermeister wurde: „Sehr erstaunt war ich, dass es einer Stadt von der Größe Kemptens möglich war, eine solche hervorragende Ausstellung bezw. Festwoche, eingebaut in den Stadtkern, durchzuführen. Vor allem die Ausstellung hat bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, besonders auch deshalb, weil sie dem ganzen Allgäu diente …“

 

Fanni Kaufmann, Memmingen: „Das Schönste an der Allgäuer Festwoche 1949 waren Brathendl und Modenschau …“

 

Quelle: Sonderbeilage zur 2. Allgäuer Festwoche 1950 in „Der Allgäuer“ vom 25. August 1950

 

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