Ausbau des Cambodunumweges
Im Zuge der Erneuerung des Straßenkörpers im Cambodunumweg wurde zum Teil in die Maueroberkanten römerzeitlicher Gebäudereste im Kerngebiet der antiken Römerstadt Cambodunum eingegriffen. Da dieser Bereich unter Bodendenkmalschutz steht, beantragte das Tiefbauamt für die manuellen Grabungen die notwendige Denkmalschutzrechtliche Erlaubnis. Diese konnte mit entsprechenden grabungstechnischen/archäologischen Auflagen erteilt werden.
Nach dem Inkrafttreten des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes im Jahr 1973 wurde die Ersterfassung der Bau- und Bodendenkmäler im Jahr 1986 abgeschlossen. Da die Denkmäler in den vergangenen Jahrzehnten teilweise erheblichen Veränderungen ausgesetzt wurden, findet momentan von Seiten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege eine Überprüfung aller Denkmäler statt.
Die Nachqualifizierung der Bodendenkmäler im Bereich der Stadt Kempten (Allgäu) wurde im Jahr 2008 abgeschlossen. Im Vergleich zur bisherigen Situation erhöhte sich die Anzahl und Fläche der Bodendenkmäler. Jetzt werden zum Beispiel auch die historischen Ortskerne erfasst. Die Arbeiten zur Nachqualifizierung der Baudenkmäler verschieben sich und werden frühestens im Jahr 2010 beginnen.
Mit der Neuverlegung der Wasserleitungen im betroffenen Bereich durch das KKU, wurde im Juni 2008 mit dem maschinellen Aushub des Grabens für die neue Wasserleitung im Kreuzungsbereich Spickelstraße/Cambodunumweg begonnen. Diese Arbeiten wurden durch Mitarbeiter des Kulturamtes Abtlg. Archäologie laufend begleitet und die zutage getretenen, archäologisch relevanten Funde und Befunde fotografisch, zeichnerisch und schriftlich dokumentiert. Das Ende des neuen Leitungsgrabens lag im Übergangsbereich Cambodunumweg/Thermenstraße. Nach dem abschnittsweisen Einbau der neuen Rohrleitungen wurde dieser Graben mit Kies verfüllt.
Anschließend wurde der großflächige Abtrag der Asphaltdecke der bestehenden Fahrbahn und der Gehwege sowie deren Kiesunterfütterung durchgeführt. Dabei wurden - vor allem in dem nach Süden verlaufenden Teil des Cambodunumweges - die teilweise noch sehr gut erhaltenen Fundamentmauerreste römischer bzw. römerzeitlicher Wohngebäude (sog. "insulae") der antiken Stadt "Cambodunum" aufgedeckt. Aufgrund der - auf die nächsten Jahrzehnte gesehen - vermutlich einzigartigen Gelegenheit, eine Überprüfung und Nachvermessung der Pläne aus Altgrabungen des 19. und 20. Jahrhunderts durchführen und bestehende Forschungslücken füllen zu können, wurde eine Neuvermessung aller während der Baumaßnahmen aufgedeckten Baukörper beauftragt.
Während der Aufgrabungsarbeiten - die auch von zahlreichen Touristen sowie Anwohnern der Umgebung mit regem Interesse beobachtet wurden (vor allem auch am "Tag des Offenen Denkmals" am 14.09.08) entschloss sich die Stadt Kempten, die Mauerläufe der antiken Steingebäude in der neuen Fahrbahnoberfläche mit farblich sich vom neuen Asphaltbelag der Fahrbahn abhebenden Steinmaterial nachzuzeichnen. Die Arbeiten hierfür sind nach den winterlichen, witterungsbedingten Unterbrechungen zurzeit im Gange und werden voraussichtlich noch bis Anfang Juni 2009 dauern. Parallel dazu wird der BA 1 in der Thermenstraße ab 27.04.09 in Angriff genommen. Hier steht aus archäologischer Sicht zu erwarten, dass Teile von einer der Hauptstraßen des antiken Cambodunum, der sog. "cardo", aufgedeckt werden kann, ebenso Bauspuren der am Rand parallel dazu verlaufenden „portiken“ (überdachte Gehwege) und Bauteile der zugehörigen „insulae“. Es ist auch damit zu rechnen, dass Spuren von Holzgebäuden aus der Zeit vor der Entstehung des "cardo" zutage treten.
Ausgrabungen insulae
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