Neugestaltung St. Mang-Platz mit archäologischem Schauraum in der Erasmuskapelle
Die wesentlichen Planungsziele waren dabei die Beibehaltung des historischen Brunnens, die Beseitigung der bestehenden Mauer, der Hinweis auf die ehemalige Friedhofskapelle, die Beibehaltung des Bouleplatzes und eine geeignete Oberflächenbefestigung, die zum einen den historischen Charakter der Altstadt bewahrt und zum anderen die Funktionalität des Platzes nicht einschränkt. Vorbild für die Umgestaltung der Planziele waren die historischen Bilder um die Jahrhundertwende.
St. Mang-Platz im Jahr 1926
im Jahr 2003 freigelegte Mauerreste am St. Mang-Platz
Bekannt war jedoch die Michaelskapelle, ehemals Friedhofskapelle am St. Mang Platz, die in der Oberfläche durch entsprechende Pflasterung dargestellt werden sollte. Die im Jahr 2003 freigelegten Mauerreste im Zuge von archäologischen Arbeiten wurden als Fundament für diese Friedhofskapelle interpretiert.
Plankonzept für die Platzgestaltung im April 2008
St. Mang-Platz - Skelettfunde
Im Zuge dieser archäologischen Untersuchungen wurden auch fast 500 Bestattungen freigelegt. Das dabei gefundene älteste datierte Grab stammt aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts.
Freigelegte Mauerreste der Erasmuskapelle am 19. Juni 2008
St. Mang-Platz mit Erasmuskapelle: Querschnitt mit Zugangsbereich
Dabei wurde der Umfang der Konservierung der Mauerreste untersucht, das Bodendenkmal aus kunst- und baugeschichtlicher Sicht bewertet, die bautechnisch notwendigen Maßnahmen ermittelt und ein mediales Konzept zur Präsentation der Funde erstellt. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 12. März 2009 die bauliche Umsetzung zur Präsentation der Funde der Erasmuskapelle in einem unterirdischen Schauraum beschlossen.
St. Mang-Platz: Planungskonzept Januar 2009
Die Bodenflächen des Kapellenraumes wurden mit dunkel-warmtonig gefärbten, glatten und präzise gefertigten Fertigteiltafeln in Großformat belegt, die in einigen ausgestanzten Öffnungen Funde wie Säulenbasen und Estrichflächen sichtbar machten.
Im Chorraum der ehemals oberirdischen, abgebrochenen Michaelskapelle wurden 50 aus dem Friedhof des St. Mang-Platzes geborgene Skelette wieder bestattet, die über zwei kleine Fehlstellen im Mauerwerk der Ostwand der unterirdischen Erasmuskapelle ein-sehbar sind. Für die bauliche Umsetzung wurde das Architekturbüro A2 aus Regensburg, für die mediale Gestaltung und Präsentation Janglednerves aus Stuttgart beauftragt.
Der archäologische Schauraum kann seit der Eröffnung am 18.09.2010 besichtigt werden. Die Besucher sehen eine Ausstellungsgestaltung in einer virtuellen Reise durch die Geschichte der Doppelstadt Kempten von der römischen Antike bis in die Gegenwart. Die historischen Begebenheiten und Entwicklungen werden durch Videoprojektionen, die die archäologischen Fragmente überlagern, visualisiert und mittels eines imaginierten Archäologen, erzählt. Die Licht- und Toninszenierung der 12 Minuten dauernden Animation erzeugt differenzierte, atmosphärische Stimmungen und vermittelt auf einer emotionalen Ebene die didaktischen Inhalte. In der Mitte des Raumes werden archäologische Fundstücke präsentiert. Mittels eines interaktiven Schiebemonitors erhält der Besucher vertiefende Informationen zu den realen Exponaten und bedeutenden Ereignissen der Kemptener Geschichte.
Die wieder bestatteten Gebeine
Erasmuskapelle - Schauraum
Erasmuskapelle - Der Schauraum in stimmungsvoller Beleuchtung
Erasmuskapelle: Präsentation der Fundstücke
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